So erkennen Sie eine gute Klinik.

Wir alle kennen die Skandale, die immer wieder Kliniken erfassen – von Fliegen im OP-Besteck Mannheims bis zu tötenden Krankenpflegern in Delmenhorst. Wir haben Angst, selbst von einem Behandlungsfehler betroffen zu sein. Das deutsche System von Kliniken kann nur funktionieren, weil jede einzelne Klinik ihre Qualität nicht transparent machen muss und sich Ärzte aus Prinzip nicht gegenseitig schaden – lieber deckt man schlechte Kollegen, als sich selbst in die Schusslinie zu bringen. Wie aber können Sie als Patient eine schlechte Klinik erkennen?

1. Lesen Sie die Leitlinie für Ihre Erkrankung – in den meisten Fälle dürfte eine Leitlinie für Ihre Erkrankung existieren. Alle medizinischen Leitlinien finden Sie hier: http://www.awmf.org/leitlinien.html

Viele Herzkatheter-Untersuchungen und Operationen, die in Deutschland durchgeführt werden, sind nicht berechtigt und schaden Ihnen. Wenn Sie sich eine Zweitmeinung suchen, dann am besten von einem Arzt oder einer Ärztin, die selbst kein Interesse daran hat oder daran Geld verdienen könnte, wenn diese Behandlung bei Ihnen durchgeführt werden sollte.

2. Bezahlen Sie niemals aus eigener Tasche Prämien, nur um einen zeitigeren Operationstermin zu bekommen. Im Gegensatz: Machen Sie einen weiten Bogen um eine Klinik, die derartiges anbietet.

3. Lassen Sie sich nur in Kliniken operieren, in denen Sie vom Operateur selbst über die Behandlung aufgeklärt werden. Daran erkennen Sie die Kliniken, in denen die Oberärzte nicht derart zeitlich ausgebucht werden, um den maximalen Profit aus ihnen herauszuschlagen. An qualitativ hochwertigen Kliniken werden Sie von jenen Ärzten aufgeklärt, die auch wirklich den Eingriff an Ihnen vornehmen.

4. Kliniken versuchen Patienten zu ködern mit Faktoren, die Patienten leichter bewerten können als die medizinische Qualität selbst. Deswegen gibt es am Hamburger Uniklinikum beispielweise Stäbchenparkett und Hotel-Gastronomie. Lassen Sie sich von solchen Dingen nicht blenden – die Qualität des Essens oder die Inneneinrichtung des Wartezimmers hat nichts mit der medizinischen Qualität einer Klinik zu tun. Die Kosten für das extra Lachsröllchen werden an anderer Stelle gespart. An Ihnen gespart.

5. Reden Sie mit den Pflegenden – sie stehen am unteren Ende der Nahrungskette einer Klinik. Wenn eine Schwester für mehr als 20 Patienten verantwortlich ist, wenn es mehr Azubis als ausgebildete Pfleger gibt, dann meiden Sie diese Klinik.

6. Eine Klinik, die für eine geplante Operation sofort einen Termin frei hat, muss einem zumindest suspekt sein. Entweder Sie ist derart unterbucht, dass man sich fragen muss, warum das der Fall ist, oder aber Sie werden noch in einen ohnehin schon überfüllten OP-Plan gequetscht und werden am Operationstag bis zu zwölf Stunden ohne Essen und Trinken auf Ihre OP warten müssen. Wartezeiten für die meisten geplanten Operationen von circa vier Wochen sind ein guter Schnitt.

7. Umso mehr Krankenhausbetten pro Kopf der Bevölkerung vorhanden sind, umso abstruser und berechnender wird die Art und Weise, wie Kliniken sich gegenseitig versuchen, profitable Patienten wegzuködern und andererseits verlustreiche Fälle an benachbarte Kliniken weiterzureichen: Alle, die in Ballungszentren wie Hamburg, Berlin oder München leben: Seien Sie extra vorsichtig.

8. Wenn Sie sehr mutig sind, dann fragen Sie Ihren Operateur, ob ihm Boni gezahlt werden für das Erreichen bestimmter OP-Zahlen pro Jahr. Alle derartigen Boni sollten eigentlich abgeschafft sein, aber immer noch nutzen 70% aller Kliniken derartige Vereinbarungen mit Ihren Chefärzten, um die OP-Zahlen und damit Ihre Einnahmen hochzutreiben.

9. Verlassen Sie sich hingegen nicht darauf, was einzelne Bekannte sagen, die auch einmal in dieser oder jener Klinik behandelt wurden – die Einzelmeinungen sind oft kaum übertragbar und an einer einzigen Erfahrung lässt sich schlecht die Qualität eines Krankenhauses ablesen – im Guten wie im Schlechten.

10. Misstrauen Sie Helden. Wenn bereits fünf verschiedene Ärzte abgelehnt haben, Sie zu operieren, und plötzlich einer es doch machen würde, dann hinterfragen Sie dessen Motive. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser eine einfach nur besser und mutiger ist als alle anderen Ärzte ist sehr klein. Mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit sind sie an einen Chirurgen geraten, der einfach nur weniger Skrupel hat, seine OP-Zahlen zu steigern.

11. Differenzieren Sie. Einer der häufigsten Fehler von Patienten: Sie bewerten eine Klinik als Gesamtheit. In Wahrheit aber liegen oft Welten zwischen den einzelnen Abteilungen eines Krankenhauses – eine gute Herz-Abteilung steht im Regelfall neben einer richtig schlechten Unfallchirurgie – oder andersherum. Zu allem Überfluss ändert sich die Qualität auch oft schlagartig, wenn der Chefarzt einer Abteilung wechselt – gehen Sie also nicht davon aus, dass eine Klinik, die vor zehn Jahren gut war, immer noch gute Medizin anbietet.

12. In einer Klinik, in der Pflegekräfte und ÄrztInnen Nagellack während der Arbeit tragen, sollten Sie sich nicht behandeln lassen – in diesen Krankenhäusern wird offensichtlich das Hygienemanagement stark schleifen gelassen.

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